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Geschmäcker · Lissabon

Pastéis de nata: die Geschichte von Lissabons Wahrzeichen-Gebäck

Von GoPocket · 29 Juni 2026 · 7 Min. Lesezeit
Warm, außen knusprig und innen cremig: Pastéis de nata sind der Geschmack Lissabons. Es gibt sie an jeder Ecke, doch kaum jemand kennt die Geschichte hinter diesem Gebäck — eine Geschichte, die in einem Kloster beginnt, durch eine Revolution führt und in Schaufenstern der ganzen Welt endet. Hier ist alles, was man wissen sollte, bevor man hineinbeißt.

In Klostermauern entstanden

Die Geschichte beginnt in Belém, im großen Jerónimos-Kloster. Vor dem 19. Jahrhundert verbrauchten Klöster riesige Mengen Eiweiß, um die Gewänder der Geistlichen zu stärken und, so heißt es, Wein zu klären. Übrig blieben Berge von Eigelb, die die Mönche in reiche, goldene Süßspeisen verwandelten. Aus diesem Überfluss entstand die Creme der Pastéis: dicht, nach Vanille duftend, mit jener warmen Farbe, die sie bis heute unverwechselbar macht.

Ein Rezept aus der Not

Was wie Raffinesse aussieht, war ursprünglich reine Haushaltsökonomie: Nichts wurde weggeworfen. Die portugiesische Klosterbäckerei — die berühmte doçaria conventual — ist genau deshalb voll von Süßspeisen aus Eigelb und Zucker. Pastéis de nata sind das bekannteste Mitglied einer großen Familie mit Dutzenden Süßspeisen, deren kuriose Namen oft mit Heiligen und Klöstern verbunden sind.

Von der Revolution zur Konditorei

1834, mit der Auflösung der Orden, schloss das Kloster und die Mönche standen ohne Einkommen da. Um zu überleben, verkauften sie das Rezept an eine nahe Zuckerraffinerie. Drei Jahre später, 1837, öffnete neben dem Kloster die Fábrica de Pastéis de Belém: Dort werden die Gebäcke bis heute nach dem Originalrezept hergestellt, das in einem verschlossenen Raum aufbewahrt wird und nur wenigen Meistern bekannt ist, die ein Schweigeabkommen unterschrieben haben.

Pastel de Belém oder pastel de nata?

Eine Unterscheidung, die in Lissabon zählt: Nur das in der historischen Fabrik von Belém hergestellte Gebäck darf pastéis de Belém heißen, eine eingetragene Marke. Alle anderen, optisch identisch, aber mit eigenen Rezepten, sind pastéis de nata. Der Streit darüber, welches das beste ist, ist Nationalsport: Manche schwören auf Belém, andere bevorzugen modernere Konditoreien wie Manteigaria, wo man den Bäckern beim Formen des Teigs zusehen kann.

Woran man ein gutes Pastel erkennt

Ein gutes Pastel hat einen dünnen, vielschichtigen Blätterteig, mürbe und leicht butterig. Die Creme sollte kaum zittern, niemals gummiartig sein, und die Oberfläche trägt jene dunklen Karamellflecken, die nur bei sehr hohen Temperaturen entstehen — traditionelle Öfen überschreiten 400 °C. Man genießt es lauwarm, frisch aus dem Ofen, mit Zimt und Puderzucker bestäubt. Dazu ein kurzer Kaffee: In Lissabon heißt er bica.

Wo man sie in Lissabon probiert

Die beiden Kultadressen sind die Fábrica de Pastéis de Belém neben dem Kloster und Manteigaria mit Filialen im Zentrum und im Time Out Market. Aber fast jede Stadtteilbäckerei backt hervorragende: Bestelle sie immer quentinhos, schön warm. Wer mehr erfahren will: Viele Food-Touren der Stadt machen Halt in einer historischen pastelaria und erzählen die Geschichte der doçaria conventual, während man kostet.

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